Ich stehe auf dem Dachboden und halte ein Fundstück in den Händen.

Ein altes Radio. Kein Touchscreen. Nur ein Rädchen und eine Antenne.

Ich teste heute, ob es mein neuer Begleiter wird.

Bisher ist mein Morgen ein Wettlauf der Informationen.

Unter der Dusche höre ich Podcasts. Wissen konsumieren, noch bevor ich wach bin.

Mein Kopf ist im Aufnahmemodus, bevor der Tag beginnt.

Heute probiere ich es anders.

Ich genieße das warme Wasser auf der Haut. Ganz bewusst.

Den Duft der guten Seife im Dampf.

Ich bin einfach nur hier. Im Bad. Bei mir.

Aus dem alten Radio klingt Musik, die ich nicht selbst gewählt habe.

Ich lasse die Nachrichten weg. Ganz bewusst.

Ich teste, wie viele Tage ich ohne sie aushalte.

Es ist kein Verpassen. Es ist eine Kur für meine Seele.

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Dann der Frühstückstisch. Das Handy bleibt aus.

Kein Scrollen zwischen zwei Bissen.

Ich schmecke das Müsli, das mein Mann selbst gemacht hat.

Die Süße der Banane. Das Prickeln der Mandarinen.

Ich esse nicht nur, ich bin ganz bei diesem Geschmack.

Wir sprechen uns ab. Was steht an? Ein echtes Gespräch ohne Unterbrechung.

Ich merke, wie schwer es ist, das Büro noch geschlossen zu lassen.

Aber ich bleibe hart. Ich teste meine neuen Bürozeiten.

Ich öffne das Handy erst nach dem Frühstück.

Ich schließe es, wenn der Arbeitstag endet.

Keine Mails am Abend. Keine Telefonate im Feierabend.

Ich verordne meinen Kunden und mir selbst diese Grenzen.

Ich probiere aus, ob sie halten.

Sie sind mein neues It-Piece: Echte Selbstbestimmung.

Nächste Woche erzähle ich, wie sich dieser neue Arbeitsalltag anfühlt und warum offizielle Öffnungszeiten meine neue Freiheit sind.

Bild: Titilayo Reichmann