Es liegt da. Nur eine Armlänge entfernt.

Auf dem Nachttisch.

Ein kleiner, schwarzer Riegel aus Glas und Metall.

Mein letzter Kontakt zur Außenwelt, bevor ich das Licht lösche.

Ich sage mir, es ist der Wecker. Die Farm. Die Notfälle.

Es ist eine Lüge.

In Wahrheit ist es die Angst vor der Stille.

Ich starte den Test: Das Handy muss raus.

Ich ersetze es durch einen Wecker vom Flohmarkt.

Er hat Patina, er tickt laut. Er kann nichts, außer klingeln.

Das Handy schläft jetzt in der Küche.

Es fühlt sich an, als hätte ich ein Körperteil vergessen.

Es ist ungewohnt. Etwas fehlt.

Ich greife immer wieder danach, ins Leere.

Nabelschnur Offline ein versuch The Offline Hotel

Die erste Nacht ist seltsam. Das Ticken des Weckers macht mich nervös.

Ich warte auf das Aufleuchten. Auf das Summen.

Nichts. Nur das Ticken.

Aber nach ein paar Nächten passiert etwas.

Mein Gehirn hört auf, im Standby-Modus zu warten.

Morgens bin ich nicht mehr mit dem Schicksal der Welt wach.

Sondern mit dem Licht, das sich durch die Vorhänge tastet.

Ein kleiner Riss in der Mauer. Platz zum Atmen.

Der Nachttisch gehört  wieder mir und meinem Buch.

Nächste Woche erzähle ich, wie ich meinen Morgen mit einem Kaffee im Bett und einem Buch beginne und warum die digitale Welt hier nichts mehr zu suchen hat.

Bild: Titilayo Reichmann