Doch dann, nach ein paar Minuten, passiert etwas.
Die Welt um mich herum wird plötzlich präsent.
Ich höre das Flattern der Vögel in den alten Obstbäumen.
Ein Geräusch, das ich so lange nicht wahrnehmen konnte,
weil ich zu abgelenkt war durch Dauerinformationen,
durch dieses permanente Rauschen im Hintergrund.
Ich höre das feine, silbrige Wispern der Olivenbäume,
wenn der Wind durch ihre schmalen Blätter streicht.
Es ist ein helles Rascheln,
das sich völlig anders anhört als das dunkle,
kraftvolle Brausen in den Kronen der Pinien.
Ich bleibe stehen und atme ein.
Der Duft der Pinien liegt schwer und warm in der Luft.
Für mich riecht es nach einem kostbaren, wohlkomponierten Parfum.
Ich bücke mich zu den Kräutern am Wegesrand.
Ich nehme ein paar Blätter der Zitronenverbene und des Orangen-Thymians in meine Hand.
Ich zerreibe sie zwischen den Fingern und halte sie mir vor das Gesicht.
Diese Frische ist so intensiv, so echt.
Früher bin ich hier oft vorbeigeeilt,
den Blick auf das Display gesenkt,
während diese Welt direkt neben mir gewartet hat.
Ich merke, dass die Stille gar nicht still ist.
Sie ist voll von Informationen, die mir gut tun.
Informationen, die mich nicht stressen, sondern erden.
Mein Kopf fühlt sich nicht mehr wie ein überfülltes Lagerhaus an.
Er fühlt sich eher wie eine frisch gelüftete Scheune.
Da ist Platz.
Da ist Luft zum Atmen.
Diese neue Klarheit ist noch ungewohnt.
Wenn die Ablenkung wegfällt,
kommen auch die Ideen zurück, die ich lange weggeschoben habe.
Mein Gehirn fängt wieder an zu spielen.
Es ist, als würde ein alter Motor langsam wieder warm laufen.
Aber es gibt auch Momente, in denen die Hand noch zuckt.
In denen ich mich dabei erwische,
wie ich in die leere Hosentasche greife.
Diesen Phantom-Schmerz der ständigen Erreichbarkeit
werde ich wohl noch eine Weile spüren.
Nächste Woche erzähle ich euch genau davon.
Von dieser leeren Tasche, der körperlichen Gewohnheit
und warum Langeweile plötzlich mein wichtigster Verbündeter wird.