Es gibt diese Tage.
Tage, an denen die Disziplin leise zur Hintertür hinausgeht,
ohne sich zu verabschieden.
Ich sitze auf dem Sofa, eigentlich ist Feierabend.
Eigentlich ist das Handy im anderen Raum.
Eigentlich.

Und dann passiert es doch.

Ein kurzer Moment der Schwäche, eine kleine Rechtfertigung.
Nur mal kurz schauen, ob diese eine Mail angekommen ist.

Rabbit Hole Offline ein versuch The Offline Hotel

Ich wollte wirklich nur die eine Info.
Aber mein Gehirn kennt die alten Pfade noch viel zu gut.
Plötzlich schrecke ich aus dieser digitalen Trance hoch.

Fünfzehn Minuten sind vergangen.
Ich bin fassungslos darüber, wie tief ich im Rabbit Hole gelandet bin.

Eben wollte ich eine Mail lesen,
und jetzt schaue ich mir Videos von Menschen an,
die ich nicht kenne und die Dinge tun, die mich nicht interessieren.

Ich habe mir in dieser kurzen Zeit Unmengen an Inhalten reingezogen.
Bilder, Meinungen, Leben, die nichts mit mir zu tun haben.
Ich bin wieder voll drin im Sog.

Rückfall. Ich nenne es ganz bewusst einen Rückfall.

Das Wort ist hart, aber es ist wahr.

Es erinnert mich an mein altes Suchtverhalten im Umgang mit Alkohol.
Dieses Gefühl, keine Kontrolle mehr über den nächsten Schluck zu haben
oder eben über den nächsten Swipe.

Es ist die gleiche Mechanik.
Dieses „nur ein Glas“, das nie nur ein Glas war,
ist heute „nur eine Minute“, die zur halben Stunde wird.

Das digitale Gift funktioniert genauso wie der Stoff von früher.
Es füllt eine Lücke, die eigentlich Ruhe bräuchte.

Ich spüre sofort, wie sich mein Körper verändert.
Die Entspannung weicht einer vertrauten Spannung in den Schultern.
Mein Blick wird starr.

Die angenehme Leere in meinem Kopf füllt sich wieder mit Müll.
Es saugt mich regelrecht aus.

Früher hätte ich mich für diesen Rückfall verurteilt.
Heute beobachte ich mich dabei mit einer gewissen Milde.
Dieser Moment führt mir schmerzhaft deutlich vor Augen,
warum ich diesen Weg überhaupt eingeschlagen habe.
Ich kenne nun den Kontrast.
Ich weiß, wie sich die Freiheit anfühlt,
und ich weiß nun wieder, wie sich die Abhängigkeit anfühlt.

Ich lege das Gerät weg.
Ich atme tief durch.
Ich gehe zu den Hunden, die geduldig gewartet haben.

Ich starte nicht bei Null.

Ich mache einfach da weiter, wo ich vor einer Stunde aufgehört habe.
Man bleibt nach einem Stolpern nicht liegen.
Man klopft sich den Staub von den Knien und geht weiter.
Der Weg ist noch da.

Nächste Woche ziehe ich Bilanz.
Ich erzähle euch, was bleibt, was geht
und warum ich nie wieder ganz in die alte Welt zurückkehren werde.