Wann hast du das letzte Mal einfach nur dagesessen und absolut gar nichts getan?
Wir haben es fast völlig verlernt, Momente auszuhalten, in denen scheinbar nichts passiert. Sobald wir ein paar Minuten warten müssen – sei es an der Kasse im Supermarkt, im Café auf eine Freundin oder beim Arzt im Wartezimmer –, wandert die Hand wie ferngesteuert in die Hosentasche. Wir zücken das Telefon, um die vermeintlich leere Zeit zu füllen. Wir checken Mails, scrollen durch Feeds oder lesen Nachrichten.
Bloß keine Langeweile aufkommen lassen.
Dabei tun wir unserem Gehirn damit überhaupt keinen Gefallen. Diese kleinen, unbesetzten Zwischenräume am Tag sind unglaublich wichtig. Sie sind die Atempausen für unseren Geist. Früher haben wir in solchen Momenten einfach Löcher in die Luft geguckt, die Gedanken schweifen lassen, die Menschen um uns herum beobachtet oder einfach unseren eigenen Impulsen nachgehangen. Heute bombardieren wir uns selbst in jeder freien Sekunde mit neuen Reizen.
Ich merke immer wieder, wie gut es tut, diesen Impuls bewusst zu unterbrechen, das Telefon in der Tasche zu lassen und das Warten einfach auszuhalten.
Es ist am Anfang gar nicht so leicht, weil die Hand fast reflexartig nach dem Display verlangt. Aber wenn man diese erste Unruhe vorbeiziehen lässt, passiert etwas Schönes: Der Geist entspannt sich. Plötzlich nimmt man die Details der Umgebung wieder wahr, hört Fetzen von Gesprächen, sieht das Licht, das durch das Fenster fällt, oder hat auf einmal eine ganz unerwartete, kreative Idee. Die besten Gedanken entstehen schließlich nie, wenn wir gestresst auf einen Bildschirm starren, sondern wenn wir Platz in unserem Kopf schaffen.
Die Kunst der Langeweile is in Wahrheit die Kunst, bei sich selbst zu sein. Versuche beim nächsten Mal, wenn du warten musst, das Smartphone ganz bewusst wegzustecken. Schau einfach nur in die Welt. Es ist erstaunlich, wie viel Ruhe und Klarheit in diesem scheinbaren Nichts liegt.
